MELINDA - Medienunterstütztes Lernen und Innovation in der handwerklichen Arbeit

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Das Projekt MELINDA greift die zunehmende digitale Vernetzung sowie die steigende Nutzung mobiler IT-Geräte in der Arbeitswelt auf und setzt sie in Vorschläge für die berufliche Aus- und Weiterbildung um. Konzepte und Medienprodukte, die verständlich aufbereitete Inhalte anschaulich transportieren, werden entwickelt und erprobt. Als Gestaltungs-, Darstellungs-, Recherche- und Dokumentationswerkzeuge sollen sie Lernprozesse in Bauberufen unterstützen.

Digitale Medien können nicht nur zur Darstellung von Lerninhalten dienen, sondern auch interaktiv eingesetzt werden, um Auszubildende zu motivieren, sich im Dialog mit den Lerninhalten auseinanderzusetzen. Die angestrebten Lernprozesse setzen auf Formen des Austausches, die den Jugendlichen aus den sozialen Medien vertraut sind. Die Rolle des Ausbildungspersonals ändert sich dabei entscheidend in Richtung Begleiter medial unterstützter Lernprozesse.

Die in der Ausbildung in den Bauberufen üblichen didaktischen Konzepte und Methoden müssen im Zuge der zunehmenden Digitalisierung ergänzt werden, um die Ausbildung effektiver und für junge Menschen attraktiver zu machen. Im Projekt MELINDA wurde deshalb ein "virtuelles Klassenzimmer" als geschlossene Plattform (KOMZET.MEDIA) eingerichtet, auf die Ausbildende und Auszubildende mit Smartphones, Tablets oder Computern zugreifen können. Die Jugendlichen können unter anderem kurze Filme während der überbetrieblichen Ausbildung im Berufsbildungszentrum drehen, um ihre eigenen Lösungsschritte für praktische Aufgaben zu dokumentieren.

Die Filme werden von Ausbildenden gesichtet und freigegeben und anschließend auf die KOMZET.MEDIA-Plattform hochgeladen, zu der die Auszubildenden Zugriff haben. Ergänzt um Informationen und Arbeitsaufgaben entsteht so ein Lernarchiv für den jeweiligen Ausbildungsjahrgang. Mit der digitalen Lernplattform und den selbst erstellten Medien wird den Auszubildenden ein zusätzlicher Zugang zu den Inhalten ihrer Ausbildung eröffnet und das Lernumfeld bereichert. Der orts- und zeitunabhängige Austausch innerhalb der Klasse und mit den Ausbildenden wird erheblich erleichtert. Der Bereich BauKnowHow (einer von vier Bereichen der KOMZET.MEDIA-Plattform) stellt zusätzlich wichtige Informationen für den Ausbildungsberuf bereit.

Die auf KOMZET.MEDIA archivierten, von den Beteiligten freigegebenen Lernvideos sind auch nachfolgenden Jahrgängen zugänglich. Die Plattform und die Anleitung werden nach der Evaluierung auch anderen Ausbildungszentren angeboten.

Darstellung von AR-Technik auf Smartphone
Durch das Erstellen kurzer Videosequenzen setzen sich die Auszubildenden am Lernort intensiv mit den Aufgaben in der Bauausbildung auseinander. Foto: MELINDA

Ausgangslage und Problemstellung

Die Bau-Berufsausbildung sieht sich zunehmend mit Herausforderungen konfrontiert wie dem demografischen Wandel, der Herausbildung eines europäischen Arbeitsmarktes, mit komplexen und hochtechnisierten Arbeitsprozessen und steigenden Qualitätsanforderungen. Eine zeitgemäße Ausbildung muss daher mindestens die Trennung von theoretischen und praktischen Ausbildungsphasen überwinden und eine intensive Abstimmung zwischen den Akteuren an den unterschiedlichen Lernorten fördern.

Traditionelle, auch handlungsorientierte, Ausbildungsmethoden führen allein nicht mehr zum optimalen Ausbildungserfolg, weil sich die Art der Kommunikation zwischen den jungen Menschen untereinander und gegenüber ihrem Umfeld verändert hat (vgl. DIVSI 2014, 11 f.). Erfahrungen aus der praktischen Berufsausbildung zeigen, dass die Auszubildenden besser erreicht werden, wenn sie in der Ausbildung Medien wiederfinden, mit denen sie im Alltagsleben selbstverständlich und sicher umgehen – wenn auch nicht zu Lernzwecken, sondern eher zur Unterhaltung. Hier haben digitale Medien ihren festen Platz.

Ziele und Erwartungen

Innerhalb der handlungsorientierten Ausbildung in der Bautechnik werden von den Auszubildenden in Gruppenarbeit bereits jetzt begleitende Dokumentationen zu Projektarbeiten erstellt. Die Zusammenstellung der Dokumente, angefangen von den Vorentwürfen und Kalkulationen über die Ausführungszeichnungen bis hin zur begleitenden Fotodokumentation, fördern Motivation und Verständnis der Auszubildenden im höchsten Maße. Neue Informations- und Kommunikationstechnologien gepaart mit fundierten didaktischen Konzepten eröffnen Ausbildungszentren neue Wege bei der Bildung im Handwerk. Nahezu alle Auszubildenden besitzen derzeit ein Handy oder Smartphone und sind in sozialen Netzwerken aktiv (ebd. 6 f.). Entsprechend erwarten sie auch, dass digitale Informationsangebote und Werkzeuge in der Ausbildung genutzt werden (vgl. Wolfram/Sudermann 2018).

Die meisten Jugendlichen beschränken die Mediennutzung im Wesentlichen auf – häufig oberflächliche – Kommunikation über soziale Netzwerke, Spielen sowie Konsumieren und Versenden von Fotos, Videos und Musik (vgl. MPFS 2018, 13 ff.). Kompetenzen und Anlässe zur produktiven Mediennutzung in der Arbeit und der beruflichen Bildung fehlen ihnen oft, obwohl sie im technischen Umgang dem Bildungspersonal häufig überlegen sind.

Überbetriebliche Berufsbildungsstätten (ÜBS) müssen auf die Umgebung der Auszubildenden eingehen und die Medienkompetenz der Jugendlichen in den Lernangeboten nutzen. Auszubildende werden unter Anleitung in die Lage versetzt, selbst kurze Filme zu ausgewählten Arbeitsprozessen - und nach eigenen Vorstellungen bezüglich der Story und der Darstellungs- und Ausdrucksweise - in der überbetrieblichen Ausbildung (ÜBA) zu drehen und auf einer betreuten Kommunikationsplattform auszutauschen.

Durch die kreative Nutzung der digitalen Medien werden umfangreiche visuelle Zugänge zu den Inhalten geschaffen und die Individualisierung der Lernprozesse gefördert, beispielsweise durch selbstgesteuerte Wiederholungs-, Vor- und Nachbereitungsmöglichkeiten und durch die mediengestützte Dokumentation der eigenen Arbeit, was eine systematische gedankliche Auseinandersetzung damit erfordert.

Didaktisches und methodisches Konzept

Die zentrale Intention von MELINDA ist die Nutzung von Videoreflexionen für die Explikation von Expertenwissen. In der Bauausbildung spielen prozedurales Wissen und Erfahrungswissen eine bedeutsame Rolle. Durch Reflexionen zu Arbeitsprozessen zum Ziel der Dokumentation dieser Prozesse - durch eigene Erstellung kurzer Videosequenzen - setzen sich die Auszubildenden am neuen Lernort intensiv mit Referenzaufgaben in der Bauausbildung auseinander. Es handelt sich dabei um zyklisch und inhaltlich vollständige Arbeitsaufgaben, die Kernbereiche der wichtigsten Arbeitsfelder exemplarisch abbilden. Den didaktischen Leitlinien folgend sollen die digitalen Medien unter anderem

  • die Gestaltungsfreiheit der Lehrende und die methodische Vielfalt möglichst wenig einschränken,
  • die Lernprozesse nicht dominieren, sondern bereichern,
  • dort eingesetzt werden, wo Sachverhalte anders nicht oder nicht so gut dargestellt werden können,
  • andere Lernhilfsmittel wie Werkstattausrüstung, Bücher usw. ergänzen und nur dort ersetzen, wo es ohne Abstriche an der Qualität der Lernangebote möglich ist,
  • eher als kleinteilige Bausteine entwickelt werden, die sich variabel in komplexere Anwendungen (Plattformen, Tutorials, Informationssysteme usw.) einfügen lassen und
  • einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten, indem beispielsweise auf umfangreiche Ausdrucke verzichtet werden kann.

Die entstehenden Medien verfolgen überwiegend nicht das Ziel der bloßen Inhaltsvermittlung. Der MELINDA-Ansatz hat den Anspruch, digitale Medien und die zu ihrer Herstellung nötige Hard- und Software als Instrumente bzw. Werkzeuge des Lernens und Lehrens zu etablieren.

Realisierung

Zu Beginn wurden umfangreiche Grundlagenrecherchen zu den Themen Content Management System, Webseiten, Videobearbeitung mit Smartphone und Tablet, Hardware, Webforen-Software, Webinhalte, Videoformate und Videodreh durchgeführt. Für die MELINDA-Plattform (KOMZET.MEDIA) wurde ein Konzept erarbeitet, das den didaktischen, fachlichen, sozialen und technischen Zielen entspricht, das das Inhaltsspektrum umreißt und Vorgaben für die Darstellung und das Nutzungsprinzip macht. Die technischen Anforderungen an die Plattform und die Realisierung, die Browser-Kompatibilität, die Inhaltspflege mit einem Content-Management-System (CMS), das Medien-Management und das Web-Hosting wurden festgelegt und zusammengestellt. Weiterhin wurden die Grundelemente der Ausbildungsplattform beschrieben. Im Wesentlichen sind dies ein Forum zum Austausch der Auszubildenden untereinander, ein Projektbereich zum Einsatz im Unterricht, Bau-Links, ein sogenanntes "Bau-KnowHow" als Wissensdatenbank sowie der Downloadbereich.

Testläufe der Plattform erfolgten mit verschiedenen Gruppen. Mit der Agentur, die die Plattform programmierte, wurden die Anregungen besprochen und weitere Feinabstimmungen und Anpassungen im Bereich Benutzerimport vorgenommen. Nach einer erfolgten Erprobung des Prototyps in mehreren Werkhallen wurden unter Mitwirkung eines Fachdidaktikers der Technischen Universität Berlin Detail-Modifikationen für Gestaltung und Funktionalität der Plattform vereinbart und durch die Agentur umgesetzt.

Ergebnisse und Produkte

Die KOMZET.MEDIA-Plattform ist in vier Hauptbereiche (Klassenforum, Klassenprojekte, Bau-KnowHow und KOMZET Forum) eingeteilt. Die beiden ersten sind nur innerhalb einer Klasse zugänglich, während Bau-KnowHow und KOMZET Forum allen Lernenden und Lehrenden zur Verfügung stehen. Letztere sind bewusst offener gestaltet, um Raum für den Informationsaustausch zu geben. Dort finden sich auch Informationen zum Projekt und ein Benutzerhandbuch für die Plattform.

Screenshot MELINDA-Lernplattform
Die MELINDA-Plattform besteht aus vier Hauptbereichen, wovon zwei geschlossen (linke Spalte) und zwei offen (rechte Spalte) gestaltet sind. Foto: MELINDA

Eckpunkte in Stichworten

Erwartungen

  • Der technische Umgang sollte für die Auszubildenden kein Problem darstellen.
  • Digitale Medien werden in der Freizeit oder im Beruf eingesetzt.
  • Unterstützung in allgemeiner Medienkompetenz ist notwendig.
  • Das Smartphone ersetzt als multifunktionaler Begleiter nach und nach alle Geräte wie Laptop oder Taschenrechner.

Erfahrungen

  • Der Umgang mit Medien beschränkt sich im Wesentlichen auf Freizeit-Anwendungen.
  • Hintergründe zu Datenschutz oder Nutzungsrechte sind nicht selbstverständlich vorhanden.
  • Bei Anmeldeprozessen fehlen oft einfach Fakten wie Zugänge zum E-Mail-Account oder ein ordentliche Passwort-Verwaltung.
  • Im Schreiben von Texten sind die jungen Erwachsenen mit dem Smartphone schneller als ältere Mitarbeiter mit der Tastatur am PC.
  • Arbeitsbezogen wird das Handy nur bedingt eingesetzt, oft sind viele Funktionen/Einsatzmöglichkeiten der Geräte nicht bekannt oder werden damit verknüpft.

Akzeptanz

  • Technische Medienkompetenz ist je nach eigener Affinität zur Digitalisierung vorhanden.
  • Permanente Schulung ist zwingend notwendig, um über rechtliche Angelegenheiten, aber auch über neue Arbeitsprozesse zu informieren und alle Beteiligten einzubeziehen.
  • Es ist nicht erkennbar, dass ältere Mitarbeiter digitale Medien ablehnen. Sie haben aber eher einen kritischeren Umgang mit sozialen Netzwerken.
  • Am Anfang des Projekts wurden vorhandene Plattformen angeschaut, es wurde schnell deutlich, dass die Komplexität der Möglichkeiten vieler Plattformen, die meisten Ausbilder eher abschreckt. Deshalb wurde bei der Entwicklung der Plattform auf einfache Handhabung und Verwaltung geachtet.

Technik

  • Das Wichtigste ist ein sehr gut funktionierendes WLAN. Neben einem guten Datenstrom gehört dazu eine gute interne Infrastruktur mit der Möglichkeit der gezielten Nutzungseinschränkung.
  • Durch immer höher auflösende Kameras im Smartphone werden die Dateigrößen sehr speicherintensiv. Dies bewirkt hohe Downloadzeiten und großen Speicherplatzbedarf. Abhilfe bringen immer einfachere Schneide- und Komprimierungs-Apps.
  • Systemspezifische Formate müssen ggf. konvertiert werden.
  • Durch die webbasierende Plattform sind die Betriebssysteme der Endgeräte nur sekundär von Bedeutung.

Filmtechnische Umsetzung

  • Man kann den Lernenden Empfehlungen zur Umsetzung geben, zum Beispiel, darauf zu achten, dass wenig Schatten entsteht oder dass aus Datenschutzgründen keine Personen erkennbar sind. Jedoch gehen die Jugendlichen beim Filmen unterschiedliche Wege und die Ergebnisse reichen von einfachen, bisweilen witzigen Filmen mit durchaus gutem Inhalt bis zu fast professionellen Erklärvideos.
  • Wichtig ist neben der fachlichen Richtigkeit, dass die jungen Menschen das erlernte Wissen durch die Arbeit beim Filmen "unauffällig" wiederholen und bestenfalls eine eigene Lernbibliothek mit Filmen für die Prüfung erschaffen.
  • Gute Filme sind möglichst authentisch, bei den Filmen darf auch Dialekt gesprochen werden.
  • Um den Lernerfolg nicht zu minimieren, können Filme, die kleine, fachliche Abweichungen haben, akzeptiert werden und über die Kommentarfunktion berichtigt werden.

Fazit und Ausblick

Die bisherige Nutzung der Plattform in der Ausbildung kann als gelungen bezeichnet werden. Die Medienkompetenz der Ausbildenden wurde wesentlich erweitert. Sie haben ein zusätzliches Instrument, mit denen Sie die Jugendliche begeistern und für ihre Ausbildung motivieren können.

Die Plattform bietet Gelegenheit, in Austausch mit den Auszubildenden zu treten. Diese können sich zeit- und ortsunabhängig mit dem Erlernten auseinandersetzen und eventuelle Wissenslücken durch Recherche im eingebundenen Bau-KnowHow verbessern. Sie haben eine Dokumentation der eignen Arbeit.

Derzeit wird geprüft, ob die eigenen Videos im digitalen Berichtsheft BLok (BPS, o. J.) eingebunden, bzw. hochgeladen werden können, um dort die geleisteten Ergebnisse zu dokumentieren. Die kleinen und mittleren Betriebe profitieren durch den Zuwachs der Medienkompetenz ihrer Auszubildenden.

Literatur und Quellen

  • BPS Bildungsportal Sachsen GmbH (Hrsg.) (o. J.). Blok – Das Online Berichtsheft. Online: https://www.online-ausbildungsnachweis.de (13.03.2019)
  • DIVSI – Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (Hrsg.) (2014): Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der digitalen Welt. DIVSI U25-Studie. Online: https://www.divsi.de/wp-content/uploads/2014/02/DIVSI-U25-Studie.pdf (20.05.2019)
  • MPFS – Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest/ Landesanstalt für Kommunikation (Hrsg.) 2018): JIM-Studie 2018 – Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Online: http://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/JIM/2018/Studie/JIM_2018_Gesamt.pdf (20.05.2019)
  • Wolfram L./ Sudermann R. (2018). Digital Natives wollen abgeholt werden. Online: https://www.personalwirtschaft.de/personalentwicklung/ausbildung/artikel/wie-sich-digital-natives-ueber-ausbildung-informieren.html (20.05.2019)

Grafik: © MELINDA